Wir investieren in Deutschland.
Deutschland hat die Köpfe, die Ideen und die Innovationskraft für eine führende Rolle in der Künstlichen Intelligenz. Was fehlt, sind die Rahmenbedingungen. Ein Standpunkt darüber, warum ich trotzdem hier investiere – und was sich ändern muss, damit aus Potenzial echtes Wachstum wird.
Ich investiere aus Überzeugung in deutsche KI-Softwareentwicklung im Mittelstand. Nicht aus Patriotismus, sondern aus unternehmerischer Logik: Deutschland hat enorme Chancen. Kluge Köpfe. Erfahrene Unternehmer. Starke Innovationskraft. Eigentlich all das, was es für nachhaltigen technologischen Erfolg braucht.
In über drei Jahrzehnten als Unternehmer und Software-Pionier habe ich Firmen aufgebaut, skaliert und durch schwierige Phasen geführt. Aus dieser Erfahrung sage ich: Technologie allein entscheidet nichts. Entscheidend ist, wer sie verantwortungsvoll und konsequent umsetzt. Und genau das kann der deutsche Mittelstand – wenn man ihn lässt.
Drei Felder, die über unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheiden
Gerade KI im Finanzbereich, im Gesundheitswesen und in der Energiebranche eröffnet uns in den kommenden Jahren enorme Möglichkeiten. In der Finanzwelt entstehen Anwendungen, die Vermögen transparenter und Entscheidungen besser machen. Im Gesundheitswesen kann KI Prozesse sicherer und Diagnostik präziser gestalten. In der Energiebranche hilft sie, Erzeugung und Verbrauch intelligenter zu steuern.
Es sind drei Felder, in denen es um besonders sensible Daten geht – um Vermögen, Gesundheit und kritische Infrastruktur. Genau deshalb gehören sie nicht in fremde Hände und in undurchsichtige Systeme, sondern auf eine souveräne Basis: entwickelt in Europa, betrieben in Deutschland, kontrolliert von denen, die Verantwortung tragen. Diese Felder sind zu sensibel, um sie auszulagern – und zu wichtig, um sie liegen zu lassen.
Der Mittelstand ist bereit – aber er wird ausgebremst
Der Mittelstand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir wollen hier bleiben, investieren, ausbilden und Arbeitsplätze schaffen. Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen – und genau diese Haltung braucht eine Volkswirtschaft, die technologisch vorne mitspielen will.
Aber die Realität bremst uns aus. Fachkräftemangel macht es schwer, gute Entwicklerinnen und Entwickler zu finden und zu halten. Bürokratie kostet Zeit, die in Produkt und Markt gehört. Hohe Steuerlasten schmälern genau das Kapital, das wir reinvestieren wollen. Und die Finanzierung von Wachstum bleibt zäh, gerade für Software- und KI-Vorhaben, deren Wert sich nicht in Maschinen und Hallen messen lässt. Jede dieser Hürden für sich ist verkraftbar. In Summe werden sie zur Wachstumsbremse.
Der internationale Vergleich ist unbequem
Im internationalen Vergleich wird Softwareentwicklung in Deutschland zunehmend unattraktiv. In anderen europäischen Ländern sind Fördermittel leichter zugänglich und schneller bewilligt. Außerhalb Europas sind IT- und Software-Fachkräfte oft besser verfügbar und flexibler einsetzbar. Diese Alternativen sind real, und wir kennen sie aus eigener Erfahrung.
Wir entscheiden uns bewusst dagegen. Nicht, weil wir die Rechnung nicht aufmachen könnten, sondern weil wir überzeugt sind, dass sich Substanz langfristig auszahlt – und weil wir an diesen Standort glauben. Wir wollen Deutschland nicht verlassen. Aber damit diese Entscheidung auch unternehmerisch tragfähig bleibt, müssen sich die Bedingungen verbessern.
Warum wir trotzdem bleiben
Der Mittelstand ist das Rückgrat dieser Wirtschaft. Er verdient ein Klima, in dem Leistung, Mut und Risikobereitschaft wieder belohnt werden – durch verlässliche Förderung, schlankere Verfahren, faire Steuern und eine Finanzierung, die Innovation ermöglicht statt sie zu erschweren.
Genau dafür steht unsere Investitionsentscheidung. Wir setzen auf Kapital mit Richtung und auf Unternehmen, die nicht den lautesten Hype suchen, sondern echten Nutzen schaffen. Wir glauben an deutsche Software, an europäische Datensouveränität und an Technologie, die den Menschen stärkt statt ihn abhängig zu machen.
Deutschland hat die Menschen.
Deutschland hat die Ideen.
Deutschland hat die Chance.
Jetzt geht es darum, die Bedingungen zu schaffen, die aus diesem Potenzial echte wirtschaftliche Zukunft machen. Wir sind bereit, unseren Teil zu leisten – in deutsche Software, in den Mittelstand, in Substanz statt Hype.
Jörn Seel
Senior Partner · SAI Silverback Group GmbH